Musik um Otto IV. - Musik des Hohen Mittelalters   

Währte die Regierungszeit des welfischen Kaisers Otto IV. (1175/76-1218) auch nur wenige Jahre, so ist seine Biographie eng verknüpft mit entscheidenden Impulsen für die Entstehung einer eigenen weltlichen und geistlichen Musikkultur in Europa am Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts. Als Sohn des sächsischen Herzogs Heinrichs des Löwen und der englischen Königstochter Mathilde verbrachte Otto prägende Stationen seiner Kindheit und Ausbildung an europäischen Höfen mit einem ausgesprochen lebendigen Musikleben. Seine Großmutter Eleonore von Aquitanien galt als Förderin und Schirmherrin der französischen höfischen Balladen- und Liedkultur der Trobadors und Trouveres. Ihr Sohn, der englische König Richard Löwenherz, betätigte sich selbst in dieser Kunst. Gleichzeitig erklang in den Klöstern und Kathedralen Frankreichs eine frühe komplexe mehrstimmige Chormusik, allen voran die ‚Schule von Notre Dame‘ um die Meister Leonin und Perotin, die für die Hörer – unter ihnen sicherlich auch Otto – eine neuartige Musikerfahrung bedeutete.

Das Programm zeichnet die wichtigen Stationen im Leben Otto IV. in musikalischen Bildern nach: Die Musik seiner Kindheit und Jugend mit ausgesuchten Balladen der südfranzösischen Trobadors und der nordfranzösischen Trouveres sowie der frühen mehrstimmigen Musik an den englischen und französischen Höfen. Musikalische Reiseeindrücke einer Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela 1182, wo sich in der Kultur Spaniens die orientalische, maurisch-jüdische Musikwelt mit der abendländischen verband, sowie die kunstvollen Werke der Minnesänger um Walther von der Vogelweide, die Otto erstmals während seiner deutschen Geiselhaft kennen gelernt haben dürfte und die das muikalische Leben am Kaiserhof maßgeblich bestimmten.

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Rahelica baila...   Rahel tanzt

Mit dem Programm „Rahelica baila..." entführen wir den Zuhörer in die faszinierende Klangwelt der sephardischen Musik. Ausgehend von der Wiege der sephardischen Kultur im mittelalterlichen Spanien wurde sie von den 1492 von dort vertriebenen Juden im gesamten Mittelmeerraum bis heute überliefert und mit dem jeweiligen musikalischen Kolorit der neuen Heimat angereichert. In den sephardischen Liedern und Melodien verbindet sich daher die mittelalterliche Musik der iberischen Halbinsel mit der Rhythmik des Balkans und der Melodik des Orients. Das reichhaltige Spektrum des überlieferten judeospanischen Liedrepertoires reicht von altspanischen Romanzen und Balladen bis hin zu den ‘Schlagern’ der traditionellen Volksmusik aus Griechenland, Makedonien oder der Türkei. 

Auch in der Umgangssprache der sephardischen Juden, dem ‘Judeospanisch’ (auch ‘Ladino’ oder ‘Spaniolisch’), finden sich diese Einflüsse wieder: Mittelalterliches Kastillanisch sowie Lehnworte aus dem Hebräischen, Griechischen und Türkischen mischten sich zu einer selbstständigen Sprache von eigentümlicher Schönheit.

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Hörbeispiele
 

Avrix mi galanica (trad.)

Dieses Lied geht auf eine alte mittelalterliche Tradition zurück: In einigen sephardischen Gemeinden dauerten die Hochzeitsfeierlichkeiten oft bis zu einer Woche. Während dieser Zeit konnte sich das Brautpaar kaum näherkommen. In der letzten Nacht musste der bedauernswerte Bräutigam so lange vor dem Haus seiner Braut ausharren, bis ihre gesamte Familie zu Bett gegangen war. Erst dann wurde er von der Braut hineingelassen.

 

-Öffne mir, meine Liebe, bevor es Tag wird.

-Ich kann dir nicht öffnen, mein Liebster.

-Aber ich kann nicht schlafen, sondern  ich muss stets an dich denken.

-Meine Vater liest, er wird uns hören.

-Dann lösche ihm das Licht aus, so wird er schlafen gehen.

-Meine Mutter näht, sie wird uns hören.

-Dann nimm ihr dir Nadel fort, so wird sie schlafen gehen.

-Mein Bruder schreibt, er wir uns hören.

-Dann versteck den Stift, so wird auch er schlafen gehen...

 

Majo, majo (trad.)

Ich mahle, mahle und mahle

Wasser im Mörser

Niemand hat Mitleid mit mir,

dem Fremden.

Erinnert Euch, meine Dame,

an das Brot und Salz,

das wir geteilt haben

auf einem gemeinsamen Kissen.

So sage ich,

dass ich müde bin.

Müde Deines Feuers.

Bre Sarica (trad.)

-Auf  Sarica, auf,

bring mir ein Glas Wasser.

-Ich bin barfuß, und am Boden liegt Tau,

ich werde mir die Füße verkühlen.

-Auf  Sarica, auf,

blonde, schöne Sarica,

schöne, süße Sarica,

ich werde dir Schuhe aus Unkapan  

und Stiefel aus Djubali kaufen.

-Es ist unter meiner Würde,

dass Du mir etwas kaufst.

Mein Vater ist ein reicher Kaufmann,

und er wird mir Schuhe aus Unkapan

und Stiefel aus Djubali kaufen.

 

Unkapan und Djubali sind Stadtteile von Istanbul, in denen die Schuhmacher und Stiefelmacher angesiedelt waren.

Skudrinka-Kalamatianos (trad.)
Die Skudrinka ist ein populärer Makedonischer Volkstanz, dessen Ursprünge weit ins Mittelalter zurückreichen. Im Anschluss eine bekannte griechische Tanzmelodie im typischen 7/8 Takt.

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